Fallstudie Kinder

Mein Patient ist 6 Jahre alt. Er wird mir von seiner Mutter als “typisches Angstkind” beschrieben:

“ Er kann keine lauten Geräusche ertragen. Wenn andere Kinder im Kindergarten schreien, versteckt er sich. Manchmal rennt er sogar bis ins Freie und versteckt sich hinter einem Busch!”

Der kleine Kerl getraute sich nicht alleine die guteinsehbare Strasse im Ort zu überqueren, obwohl seine Mutter neben ihm stand und sein Freund, samt Mutter direkt gegenüber.

Die Mutter sorgte sich auch um den bevorstehenden Schulanfang und hatte Angst ein Lehrer würde “es” falsch verstehen...

Der Junge litt seit einiger Zeit unter diffusen Schmerzen und Stechen im Nacken. Er war schulmedizinisch komplett untersucht und ohne Befund.

Der kleine Patient wirkte unruhig und berichtete von seinem Davonlaufen, wenn ein Junge im Kindergarten lauthals brüllte.

Sein ganzer Körper zitterte und er duckte sich, beim Erzählen.

Er war, wie alle Kinder, überraschend offen zum Thema Rückführung und nickte als ich ihm die einzelnen Schritte erklärte.

Die Regression dauerte nur eine paar Minuten:

“Wo bist du angekommen und was passiert dort?”

Er antwortete leise: “Ich laufe ganz schnell weg.”

“Warum?”, frage ich ihn.

“Da rennt jemand hinter mir her! Er schreit ganz laut!”

“Wer ist das? Und warum rennt da jemand hinter dir her?”, frage ich weiter.

Doch der Junge antwortet folgendes: “Der schiesst einen Pfeil auf mich ...!”

“Und was passiert weiter?”, frage ich.

“Der Pfeil tifft mich am Nacken.”

Und da beendet das Kind die Rückschau. Ohne weitere Aufforderung öffnet er die Augen und sucht seine Mutter im Raum.

Im Nachgespräch ergänzte er: “Das war ein Indianer und ich war schon groß.”

Wie üblich erhielt ich 1 Woche später den Feedback Anruf.

Die Mutter berichtete, dass ihr Kleiner am Wochenende ganz alleine zum Bäcker lief, um Frühstücksbrötchen zu holen - und sie meinte, das wäre früher nicht möglich gewesen...seine Angst ist wie weggeblasen!

Auch, wenn der Patient noch sehr jung ist, kann eine Rückführung zum erwünschten Erfolg führen. Der Prozess kann u.U. etwas länger dauern, wenn das Kind nicht mit der gleichen Ausführlichkeit oder Intensität, wie ein Erwachsener “zurück schaut”.

Ein Erstgespräch bringt hier immer die eindeutige Antwort, ob es “schon” soweit ist, oder halt noch nicht.

Also, liebe Eltern, bitte anrufen und einfach anfragen!

Elisabeth B. Kruis

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